125. Gründungsfest der Birkenstoana Stamm Oberschleißheim

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125 Jahre Birkenstoana Stamm Oberschleißheim

Die wechselvolle Geschichte unseres Vereins beginnt am 14. April 1892 unter der Vorstandschaft von Franz Kunstwadl.

Die ersten Jahre
Das erste Fahnenband wurde 1892 von 4 Schuhplattlerinnen der Birkenstoaner Gmoa gestiftet. Fahnenweihe war am 26. Juni 1898, wobei die "Achentaler Unterwössen" die Patenschaft übernahmen. Unser Verein gehörte damals dem "Gau Oberbayerischer Gebirgs- Tracht-Vereine" an, dem Vorgänger des Gauverbandes 1. Aus den Jahren 1892 bis 1898 ist leider kein Protokollbuch mehr vorhanden. Dieses zufinden und wieder zu bekommen, wäre wohl einer der größten Wünsche unseres Vereins. Die Zielsetzung der Birkenstoana, getreu dem Motto: „Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“, so wie wir sie heute kennen, spielte damals nur eine untergeordnete Rolle. Oberstes Ziel der Leute aus den umliegenden Gebirgsregionen war es vielmehr, in München zu arbeiten und Geld zu verdienen, damit die Familie daheim finanziell abgesichert war. Gegen Heimweh und Einsamkeit trafen sich die Männer zu geselligen Abenden im Gabelsberger Keller, unserem ersten Vereinslokal, zum Tanzen und Plattln, aber auch, um die Tracht des jeweiligen Heimatortes zu tragen. Es war durchaus üblich um 1900 im Winter mit Pferden und Schlitten zum Vereinsabend zu kommen. Diese Veranstaltungen dienten nicht zuletzt dazu, Geld zu verdienen, und unter den Mitgliedern noch zu sammeln, um kranke Mitglieder zu unterstützen, denn die Sozialversicherung unserer Tage steckte damals noch in den Kinderschuhen. Großes Anliegen unserer Vorfahren war es auch, „200 M zur Unterstützung kranker Mitglieder zu deponieren und daß bei einem etwaigen Todesfall eines Mitgliedes der Verein in Corpore mit Musik vertretten ist".

Ein Protokollbuch wurde ab 14. Januar 1899 geführt. Es beginnt mit dem Hinweis „mit Gott“.

Es folgt ein Bericht des Gmoaschreibers mit dem Birkenstoana Faschingsball, an dem „das erstemal der Bandeltanz aufgeführt wurde, der aber noch der Vollkommenheit entbehrte“. Diesen Bandltanz führen wir noch heute auf, hoffentlich mit mehr „Vollkommenheit.“ Ein Zimmerstutzenschießen bezweckt, „daß den Mitgliedern eine Abwechslung in der

Unterhaltung geboten wird“.

Eine Bauernredoute wurde abgehalten, bei der „ Die Musik sehr gut spielte und konnten

daher ein paar wunderschön, exakte Schuhplattler geschlagen werden.“Am 8. Juli 1900 führte der Verein das 10. Gaufest in München durch. Der Festzug ging zur Residenz, um seiner Königlichen Hoheit zu huldigen.

In der Gmoasitzung vom 15. Februar 1901 dann wurde beantragt und genehmigt, „die Weiber als Mitglieder aufzunehmen“. Patenschaften mit den Trachtenvereinen d' Gamskofler Nürnberg, Almrausch Stamm München, Schmied von Kochel Sendling wurden geschlossen. Der Gründer des Vereins, Franz Kunstwadl wurde am 23. Juni 1923 zu Grabe getragen.

 

Dann begann die wahrscheinlich schwärzeste Zeit des Vereins. Im Jahr 1927 hatte man nicht mal mehr eine Vorstandschaft, so wenige Mitglieder zählte unser Verein damals. Das Vereinsleben ruhte, mehrere Versuche, Verbindungen mit anderen Vereinen einzugehen gingen schief. Erst eine Verbindung mit den Isarwinklern brachte das Vereinsleben wieder in Schwung. Der erste Vereinabend nach dem Krieg war am 28. September 1946. Bereits am 5. September 1948 konnte im Wagnerbräu ein Fest mit 30 Vereinen gefeiert werden. Im Protokollbuch ist vermerkt, das Fest stand unter dem Motto " Jetzt erst recht ". Namen wie Bentenrieder, Gams, Meister, Solinger, Schmied, Elfinger, Rößner und natürlich unser Ehrenvorstand Maierl prägten das heutige Erscheinungsbild unseres Vereins.

 

Unser 75 jähriges Gründungsfest

Das 75. Gründungsfest feierte der Verein am 1967 im Salvatorkeller mit 37 Vereinen und zahlreichen Ehrengästen. 1973 war eine Abordnung des Vereins zum Patenbitten in die Lerchenau zum Edelweiß Stamm aufgebrochen. Nach längerem Zögern wurde die Patenschaft übernommen.

 

Unser 90 jähriges Gründungsfest
Das 90. Gründungsfest fand am 24. April 1982 im Pschorrkeller statt.
Mit 38 erschienenen Vereinen war der Saal brechend voll.

 

Umzug nach Oberschleissheim

Einen wesentlichen Einschnitt in der Vereinsgeschichte bedeutete der Umzug von München nach Oberschleißheim im September 1982. Dieser wurde erforderlich, da in München kein geeignetes Lokal mit Holzboden zum Schuhplatteln aufzutreiben war. Ausschlaggebend war auch die Aufforderung des damaligen 1. Bürgermeisters Hermann Schmid im neuen Oberschleißheimer Bürgerhaus " Bayerische Tracht und Brauchtum " heimisch werden zu lassen. Im September 1987 kamen die Würmbachtaler Lohhof, unterstützt von den Oberilmbachtaler Jetzendorf und den Loisachtalern München, zum Patenbitten hier ins Bürgerhaus. Es wurde ein lustiger Abend. Die Lohhofer haben ein 50 L Faß Bier mitgebracht und beim heimgehen den Baumstamm, auf dem sie kniend um die Patenschaft gebeten haben, weit nach Mitternacht zu Fuß nach Lohhof getragen.

 

Unser 100 jähriges Gründungsfest

Am 16./17. Mai 1992 konnten wir in einem Festzelt unser 100 jähriges Gründungsfest hier in Oberschleißheim im Festzelt feiern. Mit Heimatabend, Festgottesdienst und Festzug mit 71 Vereinen und 9 Blaskapellen.

 

Unser 110 jähriges Gründungsfest
feierten wir 2002 im Bürgerhaus in kleinerem Rahmen mit Musik, Tanz und einem Theaterstück.

Unser 115 jähriges Gründungsfest konnten wir am 21.04.2007 mit unseren Bruder- und Patenvereinen Schmied von Kochel Sendling, Almrausch Stamm München, Würmbachtaler Lohhof, Achentaler Unterwössen und nicht zu letzt dem Edelweiss Stamm Lerchenau feiern, der uns dankenswerter Weise Pate für die Weihe unserer neuen Vereinsfahne stand. Zugleich fand der Jahrtag mit Gedenkmesse für die verstorbenen Mitglieder unserer Vereine statt. In einem feierlichen Gottesdienst, umrahmt von der Birkenstoana Stubnmusik, wurde die Fahne von Pfarrer Ebersberger geweiht. Von Fahnenmutter Leni Meister und Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler bekamen wir ein Fahnenband überreicht. Nach dem Zug ins Bürgerhaus Oberschleissheim fand ein Heimatabend statt.

Vorstand Peter Juch konnte hierzu neben den Trachtlern den 1. Vorstand der Bay. Trachtenverbände Otto Dufter mit Frau, die Gauvorstände Anderl Huber und Michael Unruh, sowie weitere Mitglieder und Ehrenmitglieder des Isargau begrüssen. Auch die Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler und Mitglieder des Gemeinderats sowie zahlreiche Mitglieder Oberschleissheimer Ortsvereine waren unserer Einladung gefolgt.

Von den anwesenden Trachtenvereinen wurden Volkstänze und Plattler gezeigt, dazwischen gab es wieder einen „allgemeinen“ wo jeder mitmachen durfte, hervorragend aufgespielt von der Lerchenauer Tanzlmusik.
Ein kurzweiliger bunter Heimatabend unter der Leitung von Hermann Meister jun. ging leider viel zu schnell zu Ende. Was uns bleibt, sind Erinnerungen an schöne Stunden und an ein schönes Fest. Möge die neue Fahne uns Glück bringen und uns auf allen Festen begleiten.

 

Lebende Krippe in Oberschleißheim

Auf Anregung von 1. Vorstand Walter Heckner inszenierten wir am 12.12.2010 unsere erste lebende Krippe in Oberschleißheim. Umrahmt von Bläsern und Flötenspielerinnen bewachten Hirten ihre Schafe oder saßen am lodernden Feuer. Der heilige Josef kam natürlich in Tracht und Maria war in ein langes Gewand gehüllt. Die drei heiligen Könige in ihren kostbaren Gewändern knieten vor dem Stall mit der heiligen Familie. Die Kinder konnten Ochs und Esel streicheln und bei den Lämmern vorbeischauen. Fürs leibliche Wohl war mit Glühwein und Grillwürstl vom offenen Feuer gesorgt.

 

Unser 120 jähriges Gründungsfest feierten wir am 13. und 14.04.2012 im Bürgerhaus Oberschleissheim genau am 120. Jahrestag unseres Vereins mit den Schleissheimer Vereinen, unter der Führung unseres 1. Vorstandes Walter Heckner. Zugleich ist es nun 30 Jahre her, daß wir Birkenstoana nach Oberschleißheim gezogen sind. In einer Ausstellung von Exponaten, Fahnenbändern und Fahnen aus 120 Jahren Vereinsgeschichte, konnte sich jeder über die Geschichte des Vereins informieren.

Zu einem Gründungsfest gehört unweigerlich aber auch ein Gottesdienst, zu dem wir uns am Samstag in St. Wilhelm trafen.

Unser Vorplattler und Vereinsmusiker Hermann Meister jun. erhielt vom Isargau das Ehrenzeichen für Vereinsmusiker für seine Verdienste verliehen.

So wurde es ein gemütlicher farbenfroher Abend mit Plattlern, Volkstänzen sowie schneidigen Auftritten unserer Patenvereine, der erst nach Mitternacht zu Ende ging, der leider viel zu schnell vorbei war.

 

Unser 125 jähriges Gründungsfest feierten wir am 28.05.2017 im Festzelt in Oberschleißheim. Bereits gegen 08:00 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Die Wetterprognose war, wohl dank der Teilnehmer der Sternwallfahrt, wahrlich schweißtreibend: Sonnig, gegen Mittag sollten es so an die 35 Grad im Festzelt werden. Ca. 1000 Gäste waren gekommen, dank der Platzanweisung und farblich gekennzeichneten Tischbankerl mit Namen drauf kein Problem. Nach einer kurzen Begrüßung durch unseren 1. Vorstand Hermann Meister begann um 10:00 Uhr der Gottesdienst mit Pfarrer Kampe, umrahmt von der Langenpettenbacher Blaskapelle und Liedern mit der Familienmusik Rehm aus Garmisch. In seiner Predigt ging Pfarrer Kampe auf die Liebe, den Zusammenhalt und die Heimatverbundenheit ein. Zum Ende des Gottesdienstes weihte Pfarrer Kampe noch ein Fahnenband, das der Festausschuß gestiftet hatte. Überreicht wurde es von Steffi Obst und Nicole Frieser. Nach einer kurzen Pause fand die offizielle Begrüßung durch 1. Vorstand Hermann Meister statt. Dazu postierte sich der gesamte Verein zum Gruppenbild auf der Bühne. Schirmherr und 1. Bürgermeister blendete beim offiziellen Festteil auf die Anfänge des Vereins 1892 zurück, als sich eine Gruppe Männer zusammen tat, um das bayerische Brauchtum zu fördern. Seiner Ansicht nach ist es beindruckend, dass sich seinerzeit schon Menschen die Sorge gemacht haben, dass die traditionellen Werte und das Wissen um bayerisches Brauchtum verloren gehen könnten. „Die Welt ist heute gefühlt kleiner und verfügbarer geworden“, sagte er. Den Veränderungen der Gesellschaft stehe aber das Bedürfnis nach Orientierung und Zugehörigkeit gegenüber. Die Birkenstoana sind „ein unverzichtbarer Bestandteil der Gemeinde und eine Bereicherung des Kulturlebens“.

Unter den Gratulanten war auch Landrat Christoph Göbl, der für die Éinladung dankte. Gauvorstand Michael Unruh bezeichnete die Birkenstoana als einen der ältesten und aktivsten Vereine im Isargau. Dann überreichte er Schriftführer Franz Kellner das goldene Gauehrenzeichen für besondere Verdienste. Im Anschluß übernahmen unsere Vorplattler die Programmgestaltung. Mit Plattlern, dazwischen offenen Volkstanzrunden verging der Nachmittag. Zu der Zeit war das Zelt leider nur mehr mit wenigen Besuchern besetzt, was man aber auf Grund der Temperaturen niemandem übel nehmen konnte. Für 15:00 Uhr hatten wir die Schleißheimer Schloßpfeiffer bestellt, die für 20 Minuten aufspielten. Musikalisch ließen wir das Fest mit unserer Blaskapelle ausklingen.